Vorwort

Editorial zur Frühjahrsausgabe 2016

csm_Thomas-M-Cla_en_b06f67eb60Als ich mich im November 2015 erstmals mit dem Roermonder Radverkehrsexperten Paul Hamaekers traf, sprachen wir über Fahrradfahren diesseits und jenseits der nahen Staatsgrenze und stellten markante Unterschiede, aber auch überraschende Parallelen fest, siehe hier. Ein paar Monate später, besuchten wir gemeinsam den Radschnellweg-Kongress der AGFS in Essen und Paul staunte nicht nur über 600 Teilnehmer, sondern auch, dass wir gerade mal unsere ersten 11 Kilometer zwischen Mülheim und Essen eingeweiht hatten. In seinen Niederlanden wurden seit 2006 immerhin 300 Kilometer Snelfietsroutes realisiert, und 4-mal so viele sind im Bau oder angedacht. Darüber berichtet sein Berufskollege und Fietsersbond-Freund Bart Christiaens in seinem Gastbeitrag. Während diese RaN-Ausgabe in Druck geht, organisieren wir drei gerade mit Unterstützung der Gemeinde Venlo eine Exkursion über den neuen  Greenportbikeway in Limburg. Wie Sie daran teilnehmen können, erfahren Sie beim ADFC Mönchengladbach auf den Tourenseiten.

Thomas M. Claßen

autor_HeribertAdamsky_PICT9399_1024Fahrrad macht mobil. Das spüren die Menschen, die aus Krieg und Elend zu uns geflüchtet sind, ganz besonders. Überall sind helfende Hände, die gespendete Fahrräder reparieren, Verkehrsregeln erklären, den Geflüchteten mit Rat und Tat zur Seite stehen und ihnen auf gemeinsamen Radtouren ihr neues Zuhause zeigen. In dieser Ausgabe stellen wir Ihnen drei Initiativen vor: Die Begegnungswerkstatt für Flüchtlinge der Young Caritas in Krefeld, die Initiative Fahrräder für Flüchtlinge FfF in Mönchengladbach, und die Flüchtlingsgruppe des ADFC in Korschenbroich. Es sind nur drei Beispiele, helfende Hände gibt es bei uns in jeder Stadt und in jedem Dorf. Wir Niederrheiner haben eben eine soziale Ader. Und ganz nebenbei fördern diese Fahrradaktionen die Wertschätzung für das Gebrauchte. Die drückt diese Fahrradaktionen die Wertschätzung für das Gebrauchte. Die drückt sich auch in den Repair Cafés aus, über die wir hier vor einem Jahr berichtet haben. Es muss nicht immer das Neueste sein. Der Umgang mit unseren Gästen aus Syrien, Irak und anderen Krisenländern lehrt uns, wieder zu improvisieren, auch das nicht Perfekte zu achten und erinnert uns an etwas, dessen Notwendigkeit wir eigentlich schon lange erkannt haben: Nachhaltiges Leben. Und was ist nachhaltiger als seine Alltags- und Freizeitwege mit dem Rad zu fahren?

Heribert Adamsky

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Der AGFS-Kongress tanzt den RSW

Ein Kongress mit 600 Teilnehmern und ein Thema, das Fahrradfahrer und Radverkehrsexperten bewegt, wie lange nichts: Radschnellwege (RSW) sind in aller Munde. Dazu eine geführte Tour über elf erste RS1-Kilometer.

Peter London, zuständig für Radverkehr im NRW-Verkehrsministerium und Mitglied im hohen Arbeitsausschuss 2.5  Anlagen des Fußgänger- und Radverkehrs der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV), brachte es im Februar beim AGFS-Kongress auf den Punkt: „Wir haben noch keine endgültigen Standards, arbeiten aber daran und sind auf einem guten Weg.“

Auf dem RS1 zwischen Mülheim und Essen. Foto: iDFotowerkstatt.de

Das muss gar nicht so falsch sein, denn viele Jahre früher haben die Niederlande ähnlich angefangen, wie Ineke Spapé, Radverkehrsexpertin an der Universität im niederländischen Breda, in ihrem Referat vor dem Kongress scherzhaft formulierte: „In Deutschland müssen zuerst Vorschriften verfasst werden und dann dauert es lange, bis gemacht werden kann. Wir haben einfach angefangen mit dem Bau erster snel- fietsroutes, haben ausprobiert was geht und gut ist – und irgendwann haben wir dann auch unsere Standards entwickelt.“ Frei nach diesem Motto hat man jetzt mit dem Bau des bundesweit ersten, gut hundert Kilometer langen Radschnellwegs RS1 begonnen. Das kürzlich fertig gestellte elf Kilometer lange Teilstück zwischen Mülheim-Hauptbahnhof und Uni Essen erfüllt die meisten Anforderungen des Arbeitspapiers „Einsatz und Gestaltung von Radschnellverbindungen“ der FGSV (siehe Folie aus dem Kongress-Vortrag von Peter London unten). Mit elf Kilometern Länge ist er mehr als doppelt so lang, wie die mindestens gewünschten fünf. Mit seiner Breite von vier Metern erfüllt der RS1 zwischen Mülheim und Essen ein wichtiges Kriterium, das auch in den Niederlanden die Messlatte für Zweirichtungs-Radschnellwege ist.

Der RS1 zeigt aber auch die Schwächen der noch nicht ausgereiften Vorschrift auf. Ein Teilstück ist nicht asphaltiert, nur mit wassergebundener Decke ausgestattet. Ein KO-Kriterium für viele Pendler, denn bei nassem Wetter „saut“ sich der Fahrradfahrer ein und bei längerer Trockenheit staubt es gehörig.

Eine Mittellinie ist nicht vorgeschrieben und wird es auch nicht geben. Die geforderte Trennung zum Fußverkehr ist baulich erfüllt, schwächelt aber, weil viele Fußgänger, vor allem Jogger, sich lieber auf der glatten Radspur bewegen, als auf ihrem „stolprigen“ Fußweg.

Es stört nur (noch) eine einzige Kreuzung am Krupp-Gelände, aber auch der Berthold- Beitz-Boulevard wird demnächst überbrückt. Nennenswerte Steigungen gibt es nicht und die rote wegweisende Beschilderung nach Landes-Standard (HBR NRW, siehe Bild unten) ist ok.

Beschilderung nach HBR NRW. Foto: iDFotowerkstatt.de

Die Probefahrt mit einigen Dutzend Teilnehmern des AGFS-Kongresses über den Mülheim-Essener RS1-Abschnitt ließ erahnen, wie die Zukunft auch im deutschen Radverkehr aussehen kann. Die Novelle des Straßen- und Wegegesetzes NRW, die Landes-Radschnellwege und Landesstraßen gleichstellt, kann ein Meilenstein auf dem Weg zu einem gleichberechtigten Radverkehr sein.

Sightseeing bei der geführten Exkursion über den RS1. Foto: iDFotowerkstatt.de

Im seinem Kongress-Schlusswort versprach NRW-Verkehrsminister Michael Groschek, dass der Radschnellweg Ruhr definitiv in voller Länge von 101 Kilometer realisiert wird. Das haben 600 Kongressteilnehmer mit großem Beifall quittiert, werden ihn aber auch immer wieder gern an seine Worte erinnern.

Standards und Kriterien für Radschnellwege

Eine Gegenüberstellung der deutschen und niederländischen Radschnellweg-Anforderungen finden Sie unter www.rsw.adfc-mg.de.

Am 17. April 2015 veranstaltet der ADFC Mönchengladbach eine Tour-Erkundung des neuen »Greenportbikeway« Venlo. Alle Details dazu finden Sie hier.

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RS 1 Radschnellweg Ruhr

Der schnellste Weg durchs Revier

VON PROF. PETER VERMEULEN UND HELMUT VOSS

Vom Mülheimer Hauptbahnhof bis zur Uni Essen kann man schon mal Probe fahren. Die ersten elf Kilometer sind fertig. Die Planer der Stadt Mülheim an der Ruhr berichten als Gastautoren über „ihren“ RS1.

Im 2-km Einzugsbereich der 101 km langen Radwegtrasse zwischen Duisburg und Hamm leben 1,65 Millionen Menschen, arbeiten 430.000 und studieren 150.000. Vor 150 Jahren baute die private Rheinische Bahngesellschaft ihre Ruhrgebietsstrecke von Meerbusch bis Dortmund. Mit dem Niedergang der Stahlindustrie wurde sie zwischen Duisburg und Bochum 2002 weitgehend stillgelegt.

Schon da wurde der Bau eines Fuß- und Radweges angeregt. Im Jahr 2010 wurde der erste Abschnitt von der Essener Innenstadt bis Essen- Schönebeck durch den Regionalverband Ruhr (RVR) gebaut, und seit November 2015 kann man vom Essener Universitätsgelände bis zum Mülheimer Hauptbahnhof durchradeln. Damit steht erstmals eine direkte, nahezu kreuzungsund autofreie, 11 km lange Radverbindung der Innenstädte von Mülheim und Essen zur Verfügung.

Besonderheit dieser Strecke ist, dass durch den Bau eines separaten Fußweges und eines alltagstauglichen, asphaltierten, 4m breiten Radweges der erste Teilabschnitt des RS1 mit Radschnellwegstandard realisiert wurde. Der RVR beabsichtigt, nun auch den älteren Abschnitt in Essen entsprechend zu ergänzen. Der Weiterbau durch die Mülheimer Innenstadt soll in 2018 bis zur Hochschule Ruhr Westfertiggestellt sein. Der Brückenschlag über die Ruhr in den Stadtteil Broich zum RuhrtalRadweg nutzt dabei das historische Eisenbahnviadukt, das Wahrzeichen für den RS1 ist und bleiben kann. Zusammen sind die beiden Abschnitte nur 1,6 km lang, jedoch von zahlreichen denkmalgeschützten, aber sanierungsbedürftigen Brücken geprägt. Eine Finanzierung in Höhe von rund 12,2 Millionen erfolgt durch verschiedene Landesprogramme und den RVR. Die Stadt Mülheim sichert den Grunderwerb und ist Bauherr. Da die Trasse in Hochlage durch einen hochverdichteten Innenstadtbereich führt und geschützte Freiräume verbindet, erfüllt sie im Status Quo (offene Schotterfläche) eine wichtige Funktion für den Biotopverbund. Die Vereinbarkeit des Radschnellweges mit der Biotopvernetzung wird deshalb auch in der Hochlage durch sogenannte Stepping Stones (Trittsteine) gewährleistet. Zeitgleich wird durch den RVR die Fertigstellung eines weiteren Bauabschnitts bis zur Stadtgrenze Duisburg vorbereitet.

Für den Weiterbau des Weges auf Duisburger Stadtgebiet bis zum Rheinpark und zur linken Rheinseite gibt es noch keinen verbindlichen Zeitplan. Der linke Niederrhein und hier insbesondere die Stadt Krefeld mit ihrer geplanten Hochpromenade haben die Chance, durch ein eigenes Projekt an den RS 1 anzuknüpfen. Für Mülheim an der Ruhr ist der RS 1, der von Ost nach West mitten durch die Stadt verläuft ein Rückgrat für das Radwegenetz. Von Norden nach Süden durchzieht der Ruhrtalradweg die Stadt, Schnittstelle ist Stadtmitte. Für Mülheim an der Ruhr kommt es darauf an, in den nächsten Jahren die Zugänge zu den Fernradwegen herzustellen und so ein autofreies Radwegesystem auszubauen.

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Länger, schneller, breiter

Snelfietsrouten gibt es in den Niederlanden seit 2006

Was in Deutschland hauptsächlich für Autobahnen gilt, wird bei unseren Nachbarn längst auch für Fahrradrouten angewandt. Gastautor BART CHRISTIAENS, Fietserbond-Mitglied und Inhaber des Planungsbüros Tibs für nachhaltige Mobilität im niederländischen Breda, berichtet.

In den Niederlanden wird immer mehr, schneller und über größere Entfernungen Rad gefahren. Es besteht großer Bedarf, die Fahrrad-Infrastruktur so zu optimieren, dass der Radverkehrsfluss und die Sicherheit für Fahrradfahrer verbessert wird.

Radschnellwege sind qualitativ hochwertige, direkt geführte und leistungsstarke Verbindungen zwischen Kreisen, Kommunen, Gewerbegebieten und innerhalb städtischer Räume oder in das Umland von Städten. Sie wurden und werden gebaut, um das Potenzial des Radverkehrs unter Berufspendlern zu steigern und, um den motorisierten Individualverkehrs zu reduzieren. In den letzten Jahren wird auch mehr die gesundheitliche Bedeutung von Radschnellwegen gesehen.

300 Kilometer sind fertig oder in Bau, 600 Kilometer in Planung. Für weitere 600 Kilometer mögliche Radschnellwege wird die Mach- barkeit untersucht (werden).

300 Kilometer sind fertig oder in Bau, 600 Kilometer in Planung. Für weitere 600 Kilometer mögliche Radschnellwege wird die Machbarkeit untersucht (werden). Grafik: Fietsersbond NL

Für die Stadt- und Verkehrsplaner bieten Radschnellwege die Chance für neue Raum- und Verkehrsstrukturen, -politik und -marketing. Radschnellwege haben ein sehr positives Kosten- Nutzen-Verhältnis, niedrige Baukosten im Vergleich zu Autostraßen und positiven Effekte für Gesundheit, Klima, Luftqualität und Lärmreduzierung. Die Kosten pro Kilometer Radschnellweg liegen zwischen 0,5 und 2 Millionen Euro, abhängig dabei von der Notwendigkeit, Brücken und Tunnel zu bauen oder auch Grundeigentum zu erwerben. Die meisten Radschnellwege in den Niederlanden haben heute eine Länge von 15 bis 20 Kilometer. Durch das Aufkommen von Speed-Pedelecs werden zukünftig auch längere Strecken entstehen. Mehrere Kommunen werden verbunden, wie beispielsweise mit dem F35 zwischen Enschede, Hengelo und Almelo, parallel zur A35. Die Nummerierung ist kein Zufall, wenn es passt, erhalten unsere Radschnellwege die gleiche Ziffer wie eine nahe Autobahn.

Radverkehrspolitik seit den Fünfzigern
Seit den 1950er-Jahren wird in den Niederlanden verstärkte Radverkehrspolitik gemacht, Straßen in Städten, Dörfern und über Land fahrradfreundlich umgestaltet. Neben Hauptverkehrsstraßen wurden Fahrradwege gebaut und auf anderen Straßen, auf denen viele Radfahrer unterwegs sind, Fahrradstraßen, -streifen oder -schutzstreifen angelegt. Auch sind viele separate Fahrradstrecken realisiert worden. Im Laufe der Jahre hat das die Unfallstatistik mit Radfahrern stark verbessert.

2006 hat Verkehrsministerin Karla Peijs das Projekt Fileproof (denglisch etwa Staucheck, Anmerkung der Redaktion) ausgeschrieben, um intelligente und innovative Ideen zur Staureduzierung zu entwickeln. Der Fietsersbond, unser niederländischer ADFC, hatte als Idee den Bau von Radschnellwegen vorgeschlagen. Das Ministerium hat viele Autoprojekte aufgenommen, aber auch die Planung von fünf neuen Radschnellwegen finanziert. In 2008 stellte das Parlament zehn Millionen Euro zur Verfügung, um zwei Radschnellwege zu realisieren und zwischen 2009 und 2015 21 Millionen für 15 weitere Routen. Auch Provinzen, Kommunen und Städteregionen haben viele Millionen investiert, um gemeinsam die ersten 300 Kilometer Radschnellwege möglich zu machen. Zeitgleich wurden einheitliche Standards für Radschnellwege entwickelt und festgelegt.

Fünf General-Anforderungen
Wie alle wichtigen Fahrradstrecken müssen niederländische Radschnellwege fünf Anforderungen erfüllen: Direktheit, Attraktivität, Komfort, Verkehrssicherheit und Zusammenhang. Der letzte Punkt ist für Radschnellwege sehr wichtig. Die Verbindung von Kommunen, Gewerbe- und auch Erholungsgebieten muss schlüssig sein und die bauliche Ausführung muss von A bis Z einheitlich sein, vom Boden bis zur Beschilderung.

An der Planung und dem Bau von Radschnellwegen sind immer mehrere Behörden beteiligt. Diese Behörden haben viele gleiche Ziele, was Mobilität und Radverkehrspolitik ausmacht, aber auch eigene und unterschiedliche Interessen. Damit ein Radschnellweg möglich wird, müssen alle Behörden am Konzept mitarbeiten, es politisch unterstützen und intensiv zusammenarbeiten, verteilt finanzieren und bauen, dann aber auch vermarkten. Die zentrale Koordination und ein perfektes Prozess-Management in einer gemeinsamen Arbeitsgruppe sind dabei wichtig.

Es genügt nicht einen Radschnellweg „nur“ zu bauen. Die Vermarktung ist genauso wichtig, auch die Förderung durch Unternehmen. Man kann einem Radschnellweg einen Namen und ein eigenes Logo geben und eine Kampagne mit attraktiven Aktivitäten starten. Damit haben wir in den Niederlanden sehr gute Erfahrungen gemacht. Nur zehn Kilometer vor der deutschen Grenze, im limburgischen Venlo entstand der Greenportbikeway, eine neue Pendlerstrecke.

Greenportbikeway bei Ufterhoek vor Horst-Sevenum

Greenportbikeway bei Ufterhoek vor Horst-Sevenum, Foto: Fietsersbond NL

Der Greenportbikeway
Strecke: 11,5 km vom Venloer Gewerbegebiet Greenport bis Horst-Sevenum Planungsbeginn: 2010
Fertigstellung: 2015
Gesamtkosten: 5,6 Millionen Euro
Website: www.greenportbikeway.nl

Tour-Exkursion:

_greenport-Photo-FietsersbondDie Leser der RaN haben am 17.04.2016 Gelegenheit zu einer geführten Exkursion per Rad. ANMELDUNG bis 8. April erforderlich: touren@ADFC-MG.de

Sonntag, 17. April, Treffpunkt 10 Uhr Bahnhof Venlo
Rad-Exkursion Radschnellweg
Greenportbikeway Venlo/NL
30 km, leicht, (15-18 km/h)

Geführte Tour über die neue 11,5km-Snelfietsroute von Venlo nach Horst-Sevenum. Organisiert vom ADFC und Fietserbond in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Venlo, dem Planungsbureau Kragten und dem Fahrradplanungsbureau Tibs. Vor und während der Tour gibt es Erläuterung zu Planung, Bau, Fertigstellung und Nutzung der Strecke in deutscher Sprache. Zeitplan und weitere Details auf Facebook.

Angebot zur gemeinsamen Heimfahrt
Zurück nach Mönchengladbach
Ca. 40 km, mittel, (19-21 km/h)

Durch den landschaftlich schönen Naturpark Schwalm-Nette geht es über autoarme feste Wege wieder nach Mönchengladbach.
15:00 Uhr, Stadthafen Venlo, Havenkaade
Tourenleiter: Thomas M. Claßen

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Radschnellwege und Snelfietsroutes

Standards in den Niederlanden
und Bald-Standards in Deutschland

zusammengestellt von THOMAS M. CLASSEN mit freundlicher Unterstützung von
BART CHRISTIAENS, Fahrradplanungsbureau Tibs, Breda, NL zu Snelfietsroutes
PETER LONDON, NRW-Verkehrsministerium zu Radschnellwegen (RSW)

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Den Römern nachfahren

Logo-RömerradfahrerDer Neusser Winfried Kessel ist begeisterter Radfahrer und  Hobbyarchäologe. Sein Spezialgebiet sind alte Römerstraßne. Und da gibt es viel zu erfahren in unserer Region. Weiterlesen

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Vom Fahrrad-Gen und Püntenell

Radfahren in den Niederlanden ist schön aber auch anders

Oft schauen wir mit gehörigem Neid zu unseren Nachbarn im Westen. Feinste Radverkehrsanlagen und eine Fahrradkultur, die sich über Jahrzehnte entwickelt hat. Aber was ist sonst noch anders, und wie sehen „die Holländer“ eigentlich uns als Fahrradfahrer?

Als kürzlich in Mönchengladbach ein städtebaulicher Ideenwettbewerb für die bahnhofsnahe Industriebrache City-Ost ausgeschrieben wurde, beteiligen sich drei Planungsbüros mit unterschiedlichen Konzepten. Nur ein Entwurf berücksichtigt schon in dieser frühen Phase den Radverkehr und plant einen Radschnellweg entlang des vakanten Geländes. Diese Planung stammt aus Rotterdam.

Kein Zufall, denn „die Holländer“ haben das Fahrrad-Gen und denken früh an den Radverkehr und nicht erst ganz zuletzt, wenn der verfügbare Platz bereits für Kfz-Verkehr und -Parken verplant ist. „Das war nicht immer so“, sagt Paul Hamaekers vom Roermonder Planungsbüro Kragten: „Noch vor etwa 10 Jahren wurde bei uns zuerst die Autofahrbahn und dann Fußgänger- und Radweg geplant. Das hat sich völlig geändert, heute überlegt man zuerst, welchen Raum brauchen wir für fietsers en voetgangers und wieviel bleibt für die motorvoertuigen“.

Schlaue Lösung: Die Hafenpromenade in Roermond ist Einbahnstra- ße, kann aber, wenn nötig für beide Fahrtrichtungen geöffnet wer- den. Dann muss die Gastronomie weichen und die Radfahrer nutzen den roten Weg

Schlaue Lösung: Die Hafenpromenade in Roermond ist Einbahnstraße, kann aber, wenn nötig für beide Fahrtrichtungen geöffnet wer-den. Dann muss die Gastronomie weichen und die Radfahrer nutzen den roten Weg. Planung und Foto: Kragten, Roermond

Tansparenz für Bürger
Das ist keine Selbstverständlichkeit. Auch in den Niederlanden müssen sich die Planer mit Anwohnern, Politikern und Lobbyvertretern auseinandersetzen. Aber das geschieht durchaus sehr früh, oft schon vor dem Beginn der eigentlichen Planung. Die Beteiligung der Bürger heißt hier burgerparticipatie und wird sehr ernst genommen.

IMG_9740-Photo-www.iDFotowerkstattWenn wir Niederrheiner als Gäste mit dem Fahrrad im nahen Limburg unterwegs sind, genießen wir gerne die großzügigen Radwege und die übersichtliche Ausschilderung zur Orientierung. Meist nutzen wir das knooppunt systeem und fahren nach Zahlen. Ein gutes Gedächtnis oder ein kleiner Zettel reicht. Auf den Infotafeln an jedem Knotenpunkt sieht jeder sofort wo er gerade steht, und ruck-zuck ist die Wunschroute erkannt. Nahezu lückenlos weisen kleine grüne Pfeile am Wegesrand mit den Routennummern zum Ziel. Gut zu wissen, diese Knotenpunkt-Routen sind touristisch angelegt, oft autofern und weisen nicht immer den schnellsten Weg. Kein Gasthof, keine Sehenswürdigkeit wird ausgelassen und wer den Pfeilen folgt, wundert sich über so manchen Schlenker. Direkter und schneller folgt man den LF-Schildern, die Langeafstands Fietsroutes eignen sich besonders gut für längere mehrtägige Radtouren.

Den nächsten Schritt in die Fahrrad-Zukunft haben die niederländischen Verkehrsplaner schon 1977 begonnen. Da wurde zwischen Tilburg und Den Haag als Probeprojekt der erste Radschnellweg der Niederlande fertig gestellt. Aus heutiger Sicht war das ein ziemliches Provisorium, aber immerhin geschah es Jahrzehnte bevor wir allein das Wort Radschnellweg lernten. Im Beitrag „Länger, schneller, breiter“ lesen Sie mehr zur aktuellen Planung von snelfietsroutes.

Nicht alles ist anders als bei uns. Es gibt auch keine Helmpflicht, es gibt auch die leidige Diskussion zur Helmpflicht. Auch Niederländer fahren mit dem Rad gerne und zu oft bei Rot über die Ampel. Wenn sie erwischt werden, kostet das 90 Euro, also 30 mehr als unsere 60 Euro.

Teures Radwegparken
Dafür kostet das unerlaubte Radwegparken mit dem Auto aber auch sechsmal so viel wie bei uns. Autofahrer sollten wissen, dass jedes Halten auf Radwegen, auch auf aufgemalten Fahrradstreifen (gestrichtelte Linie plus Bodenpiktogramm), verboten ist und mit 90 (!) Euro geahndet wird.

Niederländische Fahrradkultur

Niederländische Fahrradkultur, Foto: iDFotowerkstatt.de

Erlaubt und absolut üblich ist das Nebeneinanderfahren mehrerer Radfahrer. Deutsche werden schnell erkannt, wenn sie auch hintereinander fahren, wenn es völlig unnötig ist. Auch zwei auf einem Rad sieht man oft, es ist nicht verboten. Benutzungspflicht? Ganz einfach: Wenn es einen Radweg gibt, dann hat der Fahrradfahrer den auch zu benutzen. Und bitte unbedingt nur in der vorgeschriebenen Fahrtrichtung. Was bei uns gang und gäbe ist und kaum geahndet wird, ist in den Niederlanden nicht gern gesehen und wer sich nicht daran hält, wird von entgegenkommenden Radfahrern lautstark darauf hingewiesen, dass er gefälligst die andere Straßenseite benutzen soll. Das gilt selbstverständlich nicht für die großzügigen beidseitigen Zwei-Richtungs-Radwege, die durch gestrichelte Mittellinien auf dem meist roten Radwegpflaster leicht zu erkennen sind.

Getrennte Wege
Außerorts müssen auch bromfietsers auf dem Radweg fahren und der niederländische Mofafahrer macht mit schrillem Hupen auf sich aufmerksam und erwartet (durchaus zu recht), dass ihm schnell Platz gemacht wird, damit er überholen kann. Wie bei uns sind die Regelungen für schnelle E-Bikes und S-Pedelecs in der Schwebe, nicht genaues weiß man noch nicht.

Wegen der hohen Frequenz an Fahrradfahrern haben inzwischen viele Kommunen in Parks und in den Uferbereichen von Flüssen und Seen die Wege für Rad- und Fußverkehr getrennt. Die blauen Fußwegschilder sollten beachtet werden, voetgangers lassen sich auf ihren exklusiven Wegen nur ungern von fietsers belästigen. Weit verbreitet an Ampelkreuzungen sind die blauen Schilder rechtsaf voor fietsers vrij, hier dürfen Fahrradfahrer getrost – aber nicht sorglos – trotz Rotlicht, rechts abbiegen. Beachtlich sind die vielen kleinen Fahrradampeln, neuerdings oft mit LED-Kranz, der dynamisch die Wartezeit bis grün anzeigt. Anforderungsdrücker sind nicht selten aber in der Regel komfortabel angebracht – und anders als bei uns, bewirken sie oft ein schnelles Grün statt lange Wartezeit. Einbahnstraßen dürfen von Fahrrädern fast immer in beide Richtungen befahren werden, trotzdem ist es nur erlaubt, wenn unter dem blauen Einbahnpfeil das weiße Zusatzschild uitgezonderd mit dem Fahrradpiktogramm hängt.

Wer als Tourist in den Niederlanden unterwegs ist, stellt überrascht fest, dass in fast allen Restaurants und Gaststätten kostenloses WLan, das hier WiFi heißt, zur Verfügung steht. Mit Smart Phones können diverse Apps zur Routenplanung und -navigation verwendet werden (siehe Info unten).

Niederländische Gastronomiekultur Quelle: iDFotowerkstatt.de

Niederländische Gastronomiekultur
Foto: iDFotowerkstatt.de

Das Gegenstück zu unserem ADFC ist der niederländische Fietsersbond, der eine kostenlose Routen-App anbietet. Das Fietserbond-Kartenmaterial wird laufend von vielen freiwilligen Helfern gepflegt und ist daher stets aktuell zur Tourenplanung geeignet. Mit der Zusatz-App Meldpunt kann jeder Mängel an Wegen, Schildern oder Ampeln melden, die Fietserbond-Zentrale leitet alles an die richtige Stelle weiter.

Der ANWB entspricht von den Diensten her unserem ADAC, bedient aber landesgerecht nicht nur Automobilisten, sondern auch Radfahrer, Wanderer, Reiter und Wassersportler. Der heutige Koninklijke Nederlandse Toeristenbond ANWB wurde ursprünglich als Algemene Nederlandse Wielrijdersbond (Radfahrerverbund) gegründet, was in der Abkürzung erhalten geblieben ist.

Der ANWB ist in den Niederlanden für die Wegweiserbeschilderung zuständig, inklusive der Radwegschilder. Auch der ANWB bietet eine Touren-App an. Und wer die guten alten Papier-Fahrradkarten bevorzugt, wird in einem seiner unzähligen Shops sicher fündig.

Unsere Gastgeber nutzen ihre mobiels auf dem Fahrrad fast nur am Ohr – aber das gern und oft. Die Strecke haben sie im Kopf oder auf einem kleinen Zettel am Lenker, mit den Knotenpunktzahlen. Ach ja, Telefonieren auf dem Rad ist in den Niederlanden nicht verboten.

Hollandräder Fehlanzeige
Es ist schön und praktisch, wenn man die Landessprache beherrscht, aber zumindest in Limburg kaum nötig, da hier viel und gut Deutsch gesprochen wird. Mit einer Ausnahme, unser Hollandrad kennt in Holland kein Mensch. Und wer sich dort beim Radiohören über das häufig benutzte Wort püntenell wundert, dem sei erklärt, dass dies schlicht und ergreifend die niederländische Internetendung .nl meint.

Touristeninformationen:
VVV (Fremdenverkehrsbüros) www.vvv.nl
Fietsersbond www.fietsersbond.nl
ANWB www.anwb.nl
Apps zur Tourenplanung: www.fietsersbond.nl/apps www.anwb.nl/mobiel/fietsen

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NRW-Radtour: 1000 Teilnehmer erwartet

NRW-Radtour 2015, 1.Etappe von Dinslaken nach Haltern

Die NRW-Tour rollt auch wieder in diesem Jahr.

WestLotto und die Nordrhein-Westfalen-Stiftung richten zum achten Mal die NRW-Radtour aus. In diesem Jahr wird das Fahrradparadies des Niederrheins erfahren. Für den reibungslosen Ablauf sorgen ADFC, DRK und Polizei.

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ADFC-Regionalkarte Niederrhein Süd

RK_NiederrheinSued_2016_960Die Hauskarte des ADFC zwischen Rhein und Maas wurde im Winter komplett überarbeitet und kommt nun in der aktualisierten fünften Auflage heraus.

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Bett+Bike jetzt elektronisch

bub_App_startscreen_neu_handy_netz_960Beim beliebten Verzeichnis fahrradfreundlicher Gastbetriebe bricht das papierlose Zeitalter an. Statt des schweren Katalogs gibt es nun die Bett+Bike-App für mobile Geräte. Kostenfrei in der iPhone-Version im App-Store bei iTunes und in Kürze auch in der Android-Version im Play Store.

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