Auf zwei Rädern von Krefeld nach Berlin

Ein Reisebericht von Alexandra Mielczarek

krefeld_berlin_karte.pdf-SeitenUnsere Urlaubsplanung begann, als eine Bekannte vom Besuch bei ihrer in Berlin lebenden Tochter erzählte und irgendwann der Satz fiel „man kann auch mit dem Fahrrad nach Berlin fahren“. Das letzte Mal war ich 1985 in Berlin, beim Pokalendspiel zwischen Bayer Uerdingen und Bayern München.

Auf der ADFC-Entdeckerkarte suchten wir nach möglichen Routen und entschieden uns für den Europaradweg R1. Der verläuft von der französischen Atlantikküste bis ins Baltikum. Mit dem Zug fuhren wir bis Münster. Hier sollte die Tour starten. Münster ist ja eigentlich als Fahrradstadt schlechthin bekannt. So waren wir doch erstaunt, dass der Bahnhof dort bislang keine Aufzüge hatte – erst kürzlich wurden welche installiert.

Schnell fanden wir den Einstieg zum R1 und radelten durch das östliche Münsterland über Telgte und die Pferdestadt Warendorf unserem ersten Etappenziel Gütersloh entgegen. Bei der nächsten Etappe bremste uns ein verregneter Tag aus. Wir mussten uns früher als geplant eine Unterkunft suchen. In der „Alten Schule“ in Leopoldstal quartierten wir uns ein. Am nächsten Tag lagen über 100 km vor uns, da wir in Einbeck ein Quartier vorgebucht hatten. Ein sehr kräftiger Westwind blies uns zügig vorwärts.

In Höxter erreichten wir die Weser. Auf dem Weserradweg ging es bis nach Holzminden. Weiter durch Wiesen und Felder bis Stadtoldendorf und Einbeck. Jetzt wurde die Streckenführung richtig schön. Wir fuhren oberhalb von Ortschaften durch Wald und Feld und bekamen viel von der Natur zu sehen. Über Bad Gandersheim ging es nach Goslar. Hier blieben wir zwei Tage und hatten viel Zeit, die wunderschöne Altstadt mit den vielen Fachwerkhäusern zu erkunden. Auch die berühmte Kaiserpfalz entging unserer Kamera nicht. Ab Goslar führte die Route am Harzrand entlang, wo es einige Steigungen zu überwinden gab. Wir erreichten Wernigerode und Thale und somit Sachsen-Anhalt.

Teilweise nervten uns jetzt die sehr schlechten Wege und das grobe Kopfsteinpflaster in den Ortschaften. Unterwegs buchten wir telefonisch eine Übernachtung in Ermsleben. Am siebten Tag radelten wir bei durchwachsenem Wetter nach Bernburg/Saale. Während für die erste Regenpause eine Bushaltestelle herhalten musste, fühlten wir uns beim nächsten Schauer unter einem Kirschbaum wie im Paradies: hier konnten wir uns satt essen und noch Proviant für später pflücken.

Wir übernachteten in Aken an der Elbe. Da von hier bis Dessau der R1 an der Bundesstraße verläuft, fuhren wir bis zur Lutherstadt Wittenberg auf dem Elberadweg weiter. Ab Wittenberg führte die Route durch den „Hohen Fläming“. Landschaftlich sehr schön, leider wieder viele Schotterwege. Unser heutiges Tagesziel war Pregnitz.

Laut Wetterbericht sollte der nächste Tag sehr heiß werden. Bis Berlin waren noch ca. 110 km zu fahren. Ab Bad Belzig nahmen wir deshalb den Regional-Express nach Berlin-Flughafen, fuhren aber nur bis zum Spargeldorf Beelitz. Per Rad ging es über Pekow nach Potsdam und Schloss Sanssouci lag somit am Wegesrand. Nach ausgiebiger Besichtigung ging es dann direkt auf die „Straße des 17. Juni“. Nach zwei Tagen im lauten Berlin suchten wir wieder ein wenig Ruhe und fuhren mit dem Zug nach Küstrin-Kietz. Unmittelbar an der polnischen Grenze radelten wir ein Stück auf dem Oderradweg bevor es wieder auf den R1 zurück nach Berlin ging. So haben wir auf dem R1 bei durchweg netten Gastgebern ein ganzes Stück Deutschland kennengelernt.

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