Schwere Unfälle durch abbiegende Lkw

Leider haben sich in Krefeld seit Juli 2011 drei tragische Unfälle ereignet, bei denen Fahrradfahrer(innen) durch abbiegende Lkw getötet oder schwer verletzt wurden. In allen drei Fällen war bei den Fahrradfahrern kein Verstoß gegen die Verkehrsregeln erkennbar. Es ist davon auszugehen, dass sich die Unfallopfer für die Lkw-Fahrer nicht sichtbar im so genannten toten Winkel befanden.

kr_VA_03__Im_Toten_Winkel_eines_Lkw_sind_Fussgaenger_und_Radfahrer_oft_nicht_zu_sehenAuch bei vorschriftsmäßiger Ausrüstung mit zusätzlichen Rückspiegeln bleibt bei Lastwagen über 7,5 t ein mehrere Quadratmeter großer Bereich neben dem Fahrzeug, in dem ein Fahrradfahrer nicht erkennbar ist. Stationäre Spiegel, die an manchen Ampelmasten vor gefährlichen Kreuzungen montiert werden, helfen nur punktuell und die seit einigen Jahren vorgeschriebenen seitlichen Verkleidungen am Lkw können schwere Unfallfolgen nicht gänzlich verhindern, sondern nur reduzieren. Der ADFC fordert die Einführung von elektronische Abbiegeassistenten, die dem Lkw-Fahrer ein Warnsignal geben, wenn sich beim Abbiegen ein Verkehrsteilnehmer im toten Winkel aufhält. Wirksam sind sie aber erst, wenn sie europaweit in den Fahrzeugflotten eingeführt werden.

Ebenso wichtig ist die Minimierung der Lkw-Fahrten und eine Größenbeschränkung der Fahrzeuge. Aber selbst durch die verbleibenden notwendigen Fahrten wird mittelfristig ein erhebliches Rest- risiko bleiben.

Zwei Verhaltensweisen auf dem Fahrrad können lebensrettend sein:
Auf der Fahrbahn sollte man an haltenden oder gerade anfahrenden Lkw nicht rechts vorbeifahren – auch wenn dies laut Straßenverkehrsordnung erlaubt ist.

Auf Radwegen sollte man bei gleichzeitig abbiegenden Lkw Blickkontakt zum Fahrer suchen. Wenn der Eindruck entsteht, dass man nicht gesehen wurde, sollte man auf sein Vorfahrtsrecht verzichten. Auch wenn der vordere Teil des Lkw einen weiten Bogen um die Kurve schlägt, kann der hintere Teil (Auflieger oder Anhänger) der Bordsteinkante gefährlich nahe kommen oder sie sogar überfahren.

Die Wirksamkeit technischer Mittel zur Vermeidung dieser Unfälle sind begrenzt und niemand hat bis heute ein funktionierendes Rezept, um den Lkw-Verkehr kurzfristig abzuschaffen. Deshalb sollten Fahrradfahrer das verbleibende Risiko durch entsprechenden Selbstschutz und vorausschauendes Fahren wenigstens minimieren. Im Zweifelsfall gibt der Klügere nach.

Dieser Beitrag wurde unter Ausgabe 1 / 2012, Krefeld / Kreis Viersen veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

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