Kinder auf dem Fahrrad: Eltern sind Trainer und Vorbilder

Polizei und ADFC im Rhein-Kreis Neuss tauschen sich im Rahmen einer Ordnungspartnerschaft regelmäßig zu Sicherheitsthemen aus. Bei einem der Treffen entstand die Idee zu diesem Artikel. Die Polizei kommt nicht mit erhobenem Zeigefinger daher, sondern appelliert an Einfühlungsvermögen und Verantwortung der Eltern. Ein Gastbeitrag von Polizeihauptkommisar Gereon Hogenkamp

polizei_K800_DSC_0053In keiner Altersgruppe verunglücken so viele Radfahrer, wie im Alter zwischen 10 und 17 Jahren! Gerade vor und nach der Schule, sowie am frühen Abend, wenn Kinder und Jugendliche in ihrer Freizeit unterwegs sind, häufen sich die Unfälle.
Macht man sich auf die Suche nach den Gründen, so fallen einem bei den Jugendlichen schnell die Pubertät und die Ablenkung durch MP 3-Player oder Handys ein. Unbestreitbar spielt dies eine Rolle. Kinder und Jugendliche lassen sich grundsätzlich schnell ablenken. Ab einem gewissen Alter protestieren sie gegen Regeln und das schließt Verkehrsregeln sicherlich mit ein. Cool zu sein ist dann wichtiger, als sich sicher im Straßenverkehr zu verhalten.

Mentale Entwicklung beachten

Wussten sie, dass ihr Kind erst mit 12 Jahren in der Lage ist,  abstrakt zu denken, und sich erst mit 14 Jahren für längere Zeit konzentrieren kann? Beide Fähigkeiten sind absolut wichtig für das sichere Verhalten im Straßenverkehr. Abstraktes Denken, also die Fähigkeit bekannte Verhaltensmuster auf unbekannte Situationen zu übertragen, fällt vielen Kindern schwer. Nur weil ein Kind eine Verkehrsregel auswendig kann, bedeutet dies nicht, dass es auch in der Lage ist, diese verkehrsgerecht anzuwenden. Dieses gepaart mit Aufmerksamkeitsdefiziten führt dazu, dass Kinder gefährliche Situationen oft nicht erkennen können oder falsch bewerten.

Problem „motorische Fähigkeiten“

Für die Beherrschung des Fahrrades im Straßenverkehr müssen bestimmte motorische Fähigkeiten ausgeprägt sein. Bewegungsmangel und fehlende Möglichkeiten führen zu einem Nachlassen der motorischen Fähigkeiten bei Kindern. Immer weniger Kinder beherrschen ihr Fahrrad, da sie zu ihren Zielen immer häufiger mit dem PKW gebracht werden. Aber wie soll es einem Kind gelingen, sich auf die Geschehnisse im Straßenverkehr zu konzentrieren, wenn es sich auf seinem Fahrrad unsicher fühlt und Angst hat, hinzufallen?
Kinder brauchen viel Übung und müssen Bewegungsabläufe sehr oft wiederholen, damit sich diese festigen. Dies sollte zunächst in Begleitung der Eltern geschehen, die die Kinder anleiten und unterstützen. Diese Übungen führen dazu, dass Kinder die Geschehnisse und Abläufe im Straßenverkehr erfahren und verstehen lernen. Gleichzeitig können sich die Eltern ein reales Bild über das Können ihrer Kinder machen. Ein weiterer, sehr wichtiger Faktor, spielt eine große Rolle: Das Vorbildverhalten von Eltern und anderen erwachsenen Bezugspersonen!

Ihr Kind braucht Sie als Vorbild

Leider erfahren Kinder und Jugendliche im Straßenverkehr sehr oft, dass sich Erwachsene nicht an die Verkehrsregeln halten. Dazu gehören auch die eigenen Eltern, die mal schnell in der zweiten Reihe parken, mal eben bei Rot fahren oder den Radweg entgegen der Fahrtrichtung benutzen. Die passenden Ausreden bekommen sie von den Erwachsenen meist gleich mit geliefert. Die Auswirkung, die das eigene Verhalten auf Kinder hat, wird von Erwachsenen eindeutig unterschätzt. „Papa darf das“ ist keine ausreichende Erklärung.

Wenn Eltern möchten, dass ihre Kinder die Verkehrsregeln beachten, dann ist es von immenser Wichtigkeit, dass sie es selber auch tun!

Tipps
Einhändiges Fahren. Üben sie mit ihrem Kind nicht nur das „normale“ Fahrradfahren, sondern auch das Fahren mit einer Hand (wichtig für das Handzeichen vor dem Abbiegen).
Bremsen. Üben sie das Bremsen (auch eine Vollbremsung) und das langsame Fahren.
Größe. Bei der Anschaffung des Rades sollte dieses nicht zu groß und schwer sein. Das Kind sollte locker mit beiden Fußballen den Boden berühren und den Lenker ohne Schwierigkeiten erreichen können.
Mitgehen. Begleiten Sie ihr Kind im Straßenverkehr, auch nach bestandener Fahrradprüfung und Eintritt in die weiterführen- de Schule. Vor allem, wenn der Weg für das Kind noch unbekannt oder sehr lang ist.
Seien sie Vorbild! Verhalten sie sich selber im Straßenverkehr so, wie sie es sich für die Sicherheit ihres Kindes wünschen.
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