Rhein-Radwege II: Industriekultur im Duisburger Südwesten

Auf alten Industriegeländen und Halden sind im Duisburger Südwesten interessante Landschaftsparks entstanden: Die weithin sichtbare begehbare Skulptur Tiger & Turtle in Form einer Achterbahn auf einer begrünten Halde und ein paar Kilometer weiter der Rheinpark mit Liegewiesen, Skaterbahnen und Rheinblick. Obwohl ganz in der Nähe das größte noch produzierende deutsche Stahlwerk mit Erzhafen und Schlackehalden in Duisburg-Hüttenheim liegt, kann man sie mit dem Fahrrad von der Uerdinger Brücke aus relativ gut erreichen.

ERS-Logo

Erlebnisweg Rheinschiene

Auf der Duisburger Rheinseite geht es hinter der Brücke mit leichtem Gefälle gut voran, aber Achtung: schon bald zeigt ein Wegweiser des Erlebnisweg Rheinschiene nach rechts in einen asphaltierten Wirtschaftsweg, der an Duisburg-Mündelheim in einem Bogen über die Felder und durch das Straßendorf Serm führt. Am Ortsausgang wird die stark befahrene B288 überquert und man fährt ein kurze Stück parallel dazu bis der Wegweiser nach links ins Grüne zeigt. Vom wenige hundert Meter entfernten Stahlwerk Krupp Mannesmann zeugen hier nur einige große Versorgungsleitungen, die den kanalisierten Angerbach überqueren. Relikte früherer Industrieanlagen hat die Natur teilweise überwuchert und ihnen so das abstoßende Grau genommen. Wie der sprichwörtliche Phoenix aus der Asche erscheint dann eine merkwürdige Spirale auf einem Hügel über den Bäumen. Kommt man näher, sieht man (meistens) Menschen, die darauf herum spazieren.

 Landmarke “Tiger & Turtle”

Grandiose Aussicht von der begehbaren Skulptur Tier & Turtle

Grandiose Aussicht von der begehbaren Skulptur Tier & Turtle

Die 2011 gebaute begehbare Skulptur ist ein beliebtes Ausflugsziel, denn sie bietet einen grandiosen Rundumblick auf den stellenweise überraschend grünen Duisburger Südwesten, aber natürlich auch auf die Schlote des nahen Stahlwerks. Wenn es nicht zu windig ist, kann man eine der zahlreichen Bänke unter der Skulptur für ein Picknick nutzen oder sich an einem kleinen mobilen Kiosk stärken.
Bei der Abfahrt von der Halde ist Vorsicht geboten, denn hier sind auch viele Familien mit Kindern unterwegs. Der Erlebnisweg Rheinschiene führt ein Stück weiter nach Norden, biegt nach links ab, führt durch Stahlarbeitersiedlungen, quert eine Eisenbahnlinie und biegt kurz vor dem Rheinufer rechts ab. Im weiteren Verlauf des Weges wird der Blick frei auf die andere Rheinseite, wo 1993 die Schließung des Stahlwerks Krupp Rheinhausen die ganze Region erschüttert hat. Inzwischen haben sich dort Speditionen und Dienstleistungsunternehmen angesiedelt. Stahl wird nur noch auf der rechten Rheinseite „gekocht“. Der Weg führt zunächst weiter am Rhein entlang durch eine Grünanlage und dann auf einer alten Kopfsteinpflasterstraße  über einen kleinen Bahnübergang. Am Ende der Straße schieben wir das Rad etwa 50 m weit auf dem linken Bürgersteig bis zu einer Querungsmöglichkeit mit Ampel. Auf der anderen Straßenseite geht es noch etwa einen Kilometer weiter, bis kurz hinter der Eisenbahnbrücke (Bahnhof Hochfeld-Süd) das nächste Etappenziel erreicht ist: Links geht es zum Rheinpark mit ausgedehnten Sport- und Freizeitanlagen, Liegewiesen mit Rheinblick und einem Wegelabyrint mit Brücken und kleinen Unterführungen.

Rheinpark2Rheinpark auf dem Gelände einer ehemaligen Kupferhütte

Für die Erkundung des Parks sollte man sich Zeit nehmen und dem Restaurant Ziegenpeter (ziegenpeter-duisburg.de‎) einen Besuch abstatten. Das nachhaltig wirtschaftende Lokal bietet Arbeitsmöglichkeiten für Menschen mit Handikap, die sich hochmotiviert um die Gäste kümmern. Spezialität des Hauses sind Gerichte mit Produkten aus Ziegenmilch – daher der Name.
Auf die andere Rheinseite gelangt man am besten, wenn man am  „Ziegenpeter“ vorbei noch ca. 500 m auf der Uferpromenade fährt und die (Fußgänger-)Rampe nutzt, die auf kürzestem Weg zur Brücke der Solidarität (namensgebend waren die Arbeitskämpfe Anfang der 90er Jahre) und damit wieder auf die westliche Rheinseite führt.
Hier gilt es weiterhin genau auf die Wegweisung des Rheinradwegs nach Krefeld-Uerdingen zu achten, um den Rückweg durch Rheinhausen-Ost zum Rheinufer zu finden. Ist der Rad-/Fußweg auf dem Deich erreicht, liegt das industrielle Ambiente hinter uns und wir haben einen schönen Blick auf das Naturschutzgebiet Friemersheim.

Rheinauen in Friemersheim

Für Naturliebhaber lohnt sich ein Abstecher auf parallel verlaufenden Schotterwegen durch die Rheinauen. Wer zügig vorankommen möchte, bleibt auf dem befestigten Deichweg, passiert die historische Kirche von Hohenbudberg und fährt schließlich an der endlos erscheinende Mauer der Chempark-Werke (früher Bayer)  vorbei, bis Krefeld-Uerdingen wieder erreicht ist. Für eine abschließende Einkehr bietet sich die ehemalige Dujardin-Brennerei mit Museum und Gastronomie im Innenhof an oder eine der Gaststätten in der Uerdinger Altstadt.

Die Tourdaten gibt es auch zum Ausdrucken oder Herunterladen auf www.adfc-krefeld.de/touren/tourenvorschlaege

Die ca. 30 km lange Route folgt dem Erlebnisweg Rheinschiene (ERS) © OpenStreetMap-Mitwirkende, Kartografie-Lizenz CC BY-SA

Die ca. 30 km lange Route folgt dem Erlebnisweg Rheinschiene (ERS)
© OpenStreetMap-Mitwirkende, Kartografie-Lizenz CC BY-SA

 

 

 

Dieser Beitrag wurde unter Ausgabe 2 / 2014, Tourismus veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.