Ampelschaltungen für attraktiven Rad- und Fußverkehr

Grün, rot oder doch grün?
VON DIRK RHEYDT

Mönchengladbach möchte der AGFS beitreten (Arbeitsgemeinschaft fußgänger- und fahrradfreundlicher Städte, Gemeinden und Kreise in NRW). Hierzu werden nun die „Bettelampeln“ zurückgebaut.

In Mönchengladbach gibt es etwa 250 Ampelanlagen. Damit ist aber nicht immer nur die einzelne Ampel an einer Einmündung gemeint, sondern z.B. auch alle Ampeln eines Kreuzungsbereichs als ein System. Diese Ampeln sind unterschiedlich programmiert und werden von einem Zentralrechner gesteuert. Verantwortlich für die Planung und den Betrieb der Mönchengladbacher Ampeln ist der Bereich Straßenmanagement/Verkehrstechnik in der Stadtverwaltung.

Es gibt aber auch Ampeln, die auf Landesstraßen stehen (z. B. Korschenbroicher Straße/ Volksbadstraße). Hierfür ist Straßen NRW verantwortlich.

Der Einsatz von Ampelanlagen hat unterschiedliche Gründe, beispielsweise um den Verkehrsfluss zu verbessern und gefährliche oder gefahrenträchtige Verkehrssituationen zu entschärfen.

Ampelschaltungen sind im Allgemeinen ein komplexes Thema, da die Bedürfnisse vieler Interessensgruppen berücksichtigt werden müssen (z. B. Sehbehinderte, Kinder, Fußgänger, Radfahrer, Autoverkehr). Jede Ampelschaltung erfordert daher eine individuelle Entscheidung.

In der ehemaligen „Autofreundlichen Stadt Mönchengladbach“ hat man viele Jahre lang eine Autovorrangpolitik betrieben. Hierbei wurden viele Ampelanlagen so programmiert, dass Fußgänger und Radfahrer benachteiligt wurden. Die Fußgängerampel zeigt rot, obwohl der Abbiegeverkehr rollt. Normalerweise sollte eine Fußgängerampel in einem solchen Fall immer automatisch auf grün springen. Will ein Fußgänger/Radfahrer bei einer solchen Ampel die Straße überqueren, muss er vorher über einen Taster grün anfordern und um eine Grünphase „betteln“. Diese Ampeln stellen somit unnötige Hindernisse auf Rad- und Gehwegen dar.

Bettelampel

Man verfolgte mit diesen sogenannten „Bettelampeln“ (Amtsdeutsch: Anforderungsampel) das Ziel, dass der KFZ-Verkehr ungehindert beim Abbiegen fahren kann und nicht durch lästige Fußgänger/Radfahrer ausgebremst werden. Fußgänger die nicht wissen, dass sie an einer solchen Ampel den Taster drücken müssen oder vergessen haben diesen zu drücken, stehen häufig eine weitere Ampelphase an der Straße und wundern oder ärgern sich.

Gerade auf Radverkehrsachsen ist es einfach nur lästig, immer wieder ausgebremst zu werden und um grün betteln zu müssen. So verwundert es nicht, dass diese ungerechte Behandlung von Verkehrsteilnehmern oft dazu führt, dass die Fußgängerampel aus Frust bei rot überquert wird. Hierdurch wird der Fuß- und Radverkehr nicht gerade attraktiver und auf keinen Fall sicherer.

Es gibt aber auch Ampelanlagen, wo eine Anforderungsampel Sinn macht. Warum soll man z. B. an einer Schule auf einer geraden Stre- cke den Autoverkehr alle 5 Minuten anhalten, wenn die Kinder von 8-14 Uhr in der Schule sind. Hier macht es mehr Sinn, den Autoverkehr nur dann anzuhalten, sobald dies angefordert wurde. Wichtig hierbei ist allerdings, dass der Fußgänger/Radfahrer in kürzester Zeit (maximal 1 Minute) grün erhält.

In Mönchengladbach gibt es im gesamten Stadtgebiet noch ca. 170 Anforderungsampeln. Die Mönchengladbacher Politik hat aber verstanden, dass „Bettelampeln“ mehr Nachteile als Vorteile bedeuten und 2011 im Planungs- und Bauausschuss beschlossen, alle sinnlosen Bettelampeln zurück zu bauen. Hierzu wurden für die Jahre 2014 bis 2016 über 210.000 Euro bereitgestellt. Aktuell wurden bereits ca. 50 Bettelampeln umprogrammiert, so dass hier die Fußgängerampel automatisch auf grün springt, sobald der Abbiegeverkehr rollt. Die Taster bleiben weiterhin bestehen und werden u.a. auch aus Kostengründen nicht abgebaut. Diese werden zum Beispiel von Sehbehinderten benötigt, da sie durch einen Vibrationssignal erkennen können, ob sie grün haben.

Die restlichen 120 Bettelampeln sollen bis Ende 2016 oder durch bereits geplante Arbeiten an der Ampelanlage sukzessiv abgebaut werden. Die Mönchengladbacher Politik und der ADFC Mönchengladbach behalten den Fortschritt dieses Abbauprogramms im Auge, da dies ein wichtiger Beitrag zur Steigerung der Attraktivität des Radverkehrs bedeutet. So wurde zum Beispiel kürzlich eine Anfrage des Hauptausschusses an die Verwaltung gestellt und der aktuelle Status erfragt. Aber auch im neu gegründeten Arbeitskreis Nahmobilität, bei dem der ADFC Mönchengladbach vertreten ist, wird dieses Thema regelmäßig behandelt. Auch wenn der Abbau der Bettelampeln relativ lange dauert und man manchmal das Gefühl hat, das sich nichts ändert, verhält sich die Stadt Mönchengladbach hierbei im Vergleich zu anderen Städten vorbildlich. Denn viele andere Städte haben noch nicht einmal das Problem er- kannt, die Verkehrssicherheit durch eine solche Maßnahme zu erhöhen und den Fuß- und Rad- verkehr dadurch attraktiver zu gestalten.

Dieser Beitrag wurde unter Ausgabe 2 / 2015, Mönchengladbach veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert