Neue Fahrradboxen am Bahnhof Viersen: Im Vorwärtsgang mit Rückschritten

Die neue Abstellanlage vom Viersener Bahnhof ist ein Riesenschritt in die richtige Richtung. Qualitätsmängel und Problem der Erreichbarkeit trüben aber das eigentlich positive Bild.

Am Bahnhof Viersen hat sich schon einiges getan: Am Hinterausgang Richtung Robend/
Nordkanal gibt es seit kurzem neue überdachte Fahrradständer sowie 25 abschließbare Fahrradboxen. Weitere Abstellmöglichkeiten sowie Fahrradboxen wird es demnächst zwischen dem Bahnhofsgebäude und dem Inneren Erschließungsring (IER), der Brüsseler Allee, geben, sobald die Pflasterarbeiten am Bahnhofsvorplatz abgeschlossen sind. Damit bekommt der Viersener Bahnhof endlich zeitgemäße Fahrradabstellanlagen. Bisher gab es lediglich einige sogenannte Felgenkiller als Fahrradständer.

Für die Anmietung der Fahrradboxen ist der Besitz eines VRR-Abo-Tickets Vorraussetzung, weil der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) die
Fahrradboxen gefördert hat. Gegen ein Pfand von 100 Euro können diese Boxen kostenfrei bei der Stadt Viersen gemietet werden. Interessenten können sich an das Ordnungsamt der Stadt Viersen wenden. Ansprechpartnerin ist Frau Antje Kambach,
E-Mail fundsondernutzung (at) viersen (punkt) de, Tel. 02162/101-603. Sofern sich mehr Interessenten melden als Boxen zur Verfügung stehen, wird eine Warteliste eingerichtet. Diese Bedingungen gelten ebenso für die Fahrradboxen an den Bahnhöfen in Dülken und Boisheim.

Ausführung mit Mängeln

Der Viersener Bahnhof hatte es dringend nötig, dass das Umfeld neu gestaltet wird. Mit zeitgemäßen Anlehnbügeln und Überdachungen ist ein großer Qualitätssprung für den Radverkehr gelungen. Allerdings zeigen die ersten Fahrradboxen bereits Qualitätsmängel: Die Dächer der Boxen sind nur mit Poppnieten befestigt. Diese scheinen entweder schlecht verarbeitet zu sein, der normalen Belastung nicht standzuhalten oder womöglich nicht vandalismusresistent zu sein. Bei der äußeren Fahrradbox kann man jedenfalls schon zwischen Dachblech und Wandblech in die Box hineinschauen. Einen Kuhfuß angesetzt, und das Dach ist schnell komplett abgehebelt, das Fahrrad geklaut. So verspielen die Fahrradboxen natürlich schnell ihren Nutzen.

Geisterfahrer gesucht

Weiterhin ist die Anbindung der Fahrradabstellanlage am Park & Ride-Parkplatz Robend an den Inneren Erschließungsring nicht geglückt: Radfahrer, die aus Richtung Rahser oder Robend kommen, müssen entweder einen Umweg in Kauf nehmen oder sie werden quasi zu Geisterfahrern erzogen. Eine Querungsmöglichkeiten der Brüsseler Allee gibt es hier nämlich nicht. Es ist deshalb zu erwarten, dass viele Radfahrer den benutzungspfl ichtigen Radweg in Gegenrichtung verwenden, obwohl es eigentlich verboten ist. Entsprechendes gilt für Radfahrer mit Ziel Innenstadt. Dass der Radverkehr empfindlich
auf Umwege reagiert, ist seit Jahren Allgemeingut in der Verkehrsplanung. Um so weniger ist diese Planung verständlich.

Für die Übergänge von den Radwegen am IER auf die Fahrbahn hat man Bordsteine gewählt, die nur mit mäßiger Geschwindigkeit zu befahren sind. Im weiteren Verlauf des IER am Willy-Brandt-Ring war man vor langer Zeit schon mit der komfortablen Absenkung deutlich weiter, denn dort hatte man nahezu eine Nullabsenkung realisiert. Warum der Komfort bei dieser Neubaumaßnahme deutlich hinter dem technisch Möglichen bleibt, ist schleierhaft. Auch bei den Ampeln hat man den politischen Willen
des Stadtrats konsequent ignoriert, hatte doch der Rat der Stadt Viersen vor einigen Jahren im Verkehrsentwicklungsplan beschlossen, zukünftig auf Bettelampeln zu verzichten. Dennoch wurden entlang des IER alle Ampeln mit Anforderungstastern
für Fußgänger und Radfahrer eingerichtet.

Dieser Beitrag wurde unter Ausgabe 2 / 2015, Krefeld / Kreis Viersen veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

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