Indirekt, direkt, diagonal, egal?

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Fahrradschleuse zum direkten Linksabbiegen in Münster

Linksabbiegen ist für Fahrradfahrer nicht überall komfortabel möglich. Vielerorts wird von den Planern noch indirektes Linksabbiegen bevorzugt. Wir werfen einen Blick auf die Regelungen im RaN-Sektor und anderswo.

Indirektes Linksabbiegen ist umständlich und zeitraubend und wird daher von vielen Fahrradfahrern nicht angenommen. Dabei empfehlen Verkehrsexperten längst die direkte Führung mit separaten Linksabbiegestreifen (Fahrradschleuse) „weil die den Ansprüchen und Verhalten von Radfahrern am ehesten entspricht“ und „weil sie Umwege und Wartezeiten vermeidet und der idealtypischen Fahrlinie der Radfahrer entspricht.“

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Indirekt Linksabbiegen: Zusätzliche Fahrradam- pel (roter Pfeil) und Induktionsschleife in der Wartezone Foto: iDFotowerkstatt.de

Trotzdem finden sich in manchen Kommunen immer mehr, statt weniger, Verkehrskreuzungen mit Wartezonen, teuren Induktionsschleifen und zusätzlichen Fahrradampeln. Der Installations- und dauerhafte Wartungsaufwand für Lichtzeichenanlagen und Induktionsschleifen ist enorm, die zuverlässige Funktion der Bodenschleifen ist fraglich, bei Aluminium- oder Carbonrahmen allemal.

Der Platz im Verkehrsraum bevorzugt den Kfz-Verkehr, der Radverkehr wird am Rand geparkt und benachteiligt. Die Empfehlungen für Radverkehrsanlagen von 2010 (ERA 2010) lassen den Kommunen zu viel Spielraum, obwohl sie zumindest für Straßen mit Radverkehrsführung in untergeordneten Knotenpunktarmen in der Regel direktes Linksabbiegen empfiehlt: „Die Voraussetzungen für direkt links abbiegenden Radverkehr sind günstig, wenn bei einer zulässigen Geschwindigkeit von 50 km/h die Verkehrsstärke in der Fahrtrichtung des Radverkehrs pro Stunde 800 Kraftfahrzeuge nicht überschreitet und nur ein Fahrstreifenwechsel notwendig ist.“

Die Bevorzugung der „alten Regelungen“ hat auch praktische Gründe. Direktes Linksabbiegen mit Fahrradschleuse benötigt eine Neuaufteilung des verfügbaren Straßenraums, der planerische Aufwand ist einmalig sicher höher und die Durchsetzung in der Öffentlichkeit wahrscheinlich schwieriger.

Dahinter steckt immer noch „festgetackerte Autovorang-Denke“, das Wachrütteln zur Umkehr gewohnter Prinzipien scheint schwierig. Dabei lassen sich Fahrradschleusen „ohne lichtsignaltechnische Maßnahmen praktizieren“ (FahrRad in NRW), würden also langfristig die Haushalte der Kommunen eher entlasten.

Dass andere, auch kreative, Lösungen möglich sind, zeigt uns der Erftkreis, der einfach mal einen Diagonalradweg quer über die Kreuzung gelegt hat, mit eigener Ampelphase versteht sich.

iagonale Führung mit separater Ampelschal- tung Foto: Wolfgang Werner

iagonale Führung mit separater Ampelschal- tung Foto: Wolfgang Werner

Versierte Fahrradfahrer pfeifen eh auf die ärgerlichen Pausen in Wartezonen oder vor Fußgängerampeln, verlassen rechtzeitig den Radweg und ordnen sich vorsichtig links im Gesamtverkehr ein. Das ist durchaus rechtens, wie ADFC-Verkehrsexperte Roland Huhn im Juni 2015 in der Radwelt erläutert hat:

„Vor der Kreuzung darf man auch einen benutzungspflichtigen Radweg oder Radfahrstreifen zum Abbiegen verlassen und sich links einordnen (OLG Hamm 27 U 2/89; OLG Brandenburg 2 U 32/95), auch vor Ampelkreuzungen, aber nicht mehr im Bereich mit Richtungsfahrstreifen und Fahrstreifenbegrenzung (durchgezogene Linie).“ Leider ist einigermaßen unklar wie weit vor einer Kreuzung Fahrradfahrer auf die Fahrbahn wechseln dürfen, ohne gegen die Radwegebenutzungspflicht zu verstoßen.

So sieht’s in den Kommunen aus:

Rhein-Kreis Neuss:
Direkte Führung im Mischverkehr mit sehr schmalen Schleusen ist in Neuss der Standard, indirektes Linksabbiegen eher die Ausnahme.

Krefeld:
Oft direkte Führung mit Fahrradschleusen, meistens auf kleineren Kreuzungen. Indirekte Führung auf Kreuzungen mit starkem Kfz-Geradeausverkehr mit Wartezonen und statisch geschalteten Fahrradampeln. Keine Induktionsschleifen.

Mönchengladbach:
Wenig direkte Führung mit Fahrradschleusen. Standard ist indirektes Linksabbiegen mit Fahrradampeln und Induktionsschleifen. In den letzten Monaten wurden weitere Kreuzungen so ausgestattet.

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