Viele kennen unseren Gastautor Norbert Schippers als unermüdlichen Korker und Helfer bei Sternfahrten im Rheinland und darüber hinaus. Unterwegs nerven ihn oft falsch parkende Kfz. Ein Erfahrungsbericht
Der Alltag von Radfahrer:innen im täglichen Straßenverkehr verläuft allzu oft dramatisch. Immer wieder kommt es wegen falsch haltenden oder parkenden Kfz zu lebensgefährlichen Situationen, nicht selten mit tödlichem Ausgang. Auch ich war lange Zeit täglich davon betroffen – bis ein beinahe tödlicher Vorfall alles veränderte und mich zum Handeln brachte.
Tödliche Beispiele
- 2021 Berlin-Friedrichshain. Radfahrerin weicht einem falsch parkenden Geldtransporter auf dem Radweg aus, wird von einem LKW erfasst und stirbt.
- 2023 Berlin-Neukölln. Radfahrer prallt gegen die Tür eines im Halteverbot geparkten Diplomatenautos, stirbt durch Dooring-Unfall.
- 2023 Berlin-Charlottenburg. Radfahrer prallt gegen plötzlich geöffnete Taxitür, stürzt und stirbt später im Krankenhaus.
- 2023 Darmstadt. Radfahrerin kollidiert nach Ausweichmanöver wegen Falschparker mit LKW – tödlich verletzt (Quelle: Hessenschau).
- 2023 Frankfurt am Main. Falschparker auf Radweg zwingt Radfahrer auf Fahrbahn, dort von Auto erfasst und tödlich verletzt.
Meine Erfahrung
Bis 2017 war ich einer der vielen Radfahrer, die sich auf ihrer täglichen Heimfahrt von der Arbeit immer wieder über PKW auf dem Radweg geärgert haben. Und vielleicht den Autofahrern etwas gesagt hat. Die Netten antworteten mit „Wo soll ich sonst halten/parken?“ und die weniger Netten mit oft herben
Beleidigungen.
Dann hatte ich ein Erlebnis, das mich zum kompletten Umdenken gebracht hat. Ich fuhr auf einem Hochbordradweg der Kölner Landstrasse in Düsseldorf. Links, auf Fahrbahnniveau, Parkplätze direkt neben dem Radweg, undrechts ein Gehweg, auf dem auf gleicher Höhe ein LKW geparkt war. Als ich auf Höhe der beiden Fahrzeuge war, öffnen sowohl der Beifahrer links als auch der LKW-Fahrer rechts gleichzeitig die Fahrzeugtüren. Nur mit Glück kam ich unverletzt durch diese Wand aus Autotüren.
Ich kannte damals schon die App Wegeheld und habe beschlossen, dass sich etwas ändern muss. Ich habe ab diesem Tag zwischen zwei und fünf – sechs Anzeigen pro Tag mit Wegeheld gemacht, die dann automatisch an das zuständige Ordnungsamt geschickt wurden.
Es wirkt in Düsseldorf
Nachdem auf Wegeheld eine regelrechte Spur an angezeigten Falschparkern zu sehen war – etwa 150–200 Anzeigen – gab es von der Polizei und von der Stadt Düsseldorf eine Reaktion. Zum einen hat die Polizei auf der gesamten Strecke regelmäßig Fahrradpolizisten eingesetzt, um Falschparker anzuzeigen. Außerdem hat sogar eine Motorradpolizistin angehalten und einem Autofahrer auf dem Radweg ein Bußgeld fürs Falschparken auferlegt. Zudem habe ich so erfahren, dass selbst das Ordnungsamt mit dem Fahrrad losfährt, um Falschparker anzuzeigen. Auch diese sind mir auf meiner täglichen Fahrt zweimal begegnet. Und an einer Stelle mit einem Geldautomaten, an dem besonders häufig geparkt
wurde, hat die Stadt für Abhilfe gesorgt, indem der gesamte Bereich mit Pollern von der Fahrbahn abgetrennt wurde.
Ich wohne zwar mittlerweile in Langenfeld, fahre aber heute noch häufiger auf dieser Strecke. Selbst acht Jahre später – sind nur noch ganz selten einzelne Falschparker auf der Kölner Landstraße, Bonner Straße oder Siegburger Straße zu finden.
Leverkusen und Langenfeld
Eine ganz ähnliche Erfahrung habe ich in Leverkusen auf der Rathenaustraße und Solinngerstraße in Langenfeld auf dem Schutzstreifen gemacht. Beide waren, als ich dort zum ersten Mal fuhr, mit Falschparkern zugeparkt. Es hat dann einige Anzeigen gebraucht, aber heute sind alle Autofahrer bemüht, den Radweg bzw. Schutzstreifen frei zu halten.
Mönchengladbach
In Mönchengladbach, auf der Bachstraße, wurde ich von einer Ordnungsamt-Mitarbeiterin angesprochen, dass diese ausdrücklich gehalten sind, Fremdanzeigen zu verfolgen.
Nicht verwirren lassen
Für die meisten Menschen, die Wegeheld benutzen, ist es sehr verwirrend, da es vom Ordnungsamt keine Rückmeldung gibt. Das ist aber das normale Vorgehen der Ordnungsämter, die aus Datenschutzgründen auch keine Aktenzeichen herausgeben. Vom Fortgang einer Anzeige wird man also fast nie etwas erfahren – es sei denn, der Fahrer legt tatsächlich Widerspruch ein und man wird als Zeuge zu einer Verhandlung geladen. Bei Falschparkern ist mir das aber bisher noch nie passiert, und Ähnliches haben mir auch andere Radfahrer schon gesagt.
Meine Konsequenz
Wenn ich konsequent Fremdanzeigen auf einer Strecke mache, nimmt die Falschparkerdichte auf dieser Strecke kontinuierlich ab – und die Wege werden freier.
Ich werde oft gefragt, was das bringen soll, da das Ordnungsamt nie reagiert. Das macht das Ordnungsamt in keiner Stadt, die mir bekannt ist, um den Datenschutz zu wahren. Eine Benachrichtigung habe ich immer nur bekommen, wenn es entweder Unplausibilitäten gab oder aktuell im ersten von rund 1000 Fällen eine Ladung als Zeuge. Und hier ging es nicht nur ums Falschparken. Aber auch dies war eine erfreuliche Erfahrung. Der Fahrer sah ein, dass er eine Radfahrerin durch enge Vorbeifahrt gefährdete und hat seine Strafe akzeptiert, nachdem er seine Fahrweise auf Video sah.
Wie geht das heute?
Die erste App war von Heinrich Strößenreuther aus Berlin, der sie nach und nach auf ganz Deutschland ausweitete. Nachdem er sich anderen Aufgaben gewidmet hatte, übergab er seine App an Peter Schröder von weg-li.de.
Dieser hat insbesondere die Mailadressen von Wegeheld übernommen und Open Source gestellt. Die Pflege von Wegeheld wurde dann irgendwann eingestellt.
Falschparker melden – So geht’s!
Wenn jemand auf dem Radweg parkt, Gehwege blockiert oder Rettungswege zustellt, kannst du das melden – schnell, rechtssicher und bequem per App.
Was du brauchst
Für eine Anzeige benötigst du diese Infos:
- ein Name plus ladungsfähige Anschrift (wird einmalig hinterlegt, falls du als Zeuge gebraucht wirst)
- Datum und Uhrzeit (am besten genau – z. B. „12.05.2025, 17:23 Uhr“ oder „von 17:20 bis 17:35 Uhr“)
- Fahrzeugdaten: Marke (z. B. VW), Farbe (z. B. Blau)
- KfZ-Kennzeichen (z. B. K-AB 1234)
- Art des Verstoßes: z. B. Parken auf dem Radweg, Gehweg, Feuerwehrzufahrt ..
So kannst du melden
Du hast mehrere Möglichkeiten – Handy-App installieren oder online melden:
- Weg-li: www.weg.li. Sehr beliebte App/Website für schnelle Anzeigen. Kostenlos und benutzerfreundlich.
- Stadtpate: www.stadtpate.de. Setzt auf faire Mobilität und einfache Meldung per Web.
- Wegeheld-App. Praktisch für unterwegs – speziell für Geh- und Radwegfreihaltung.
- UrbanEtiquette (eigene Anwendung). https://github.com/chip668/Setup
- Mängelmelder: www.maengelmelder.de/#pageid=1. Allgemeine Plattform – auch für Falschparker geeignet.
- Oder direkt über Google nach deiner Stadt suchen, z. B. „Falschparker anzeigen Köln“.

Quellenangaben
- Berlin-Friedrichshain, 2021 (Laëtitia Graffart, Geldtransporter auf Radweg): https://www.tagesspiegel.de/berlin/getotete-radfahrerin-in-der-frankfurter-allee-lkw-fahrer-in-berlin-freigesprochen-10462753.html
- Berlin-Neukölln, 2023 (Dooring durch Diplomatenfahrzeug): https://www.tagesspiegel.de/berlin/polizei-justiz/unfall-mit-diplomatenauto-mahnwache-fur-toten-radfahrer-8370151.html
- Berlin-Charlottenburg, 2023 (Dooring-Unfall mit Taxi): https://www.rbb24.de/panorama/beitrag/2025/08/berlin-unfall-dooring-autotuer-prozess.html
- Darmstadt, 2023 (Ausweichmanöver wegen Falschparker, tödlich verletzt): https://www.hessenschau.de/panorama/radfahrerin-stirbt-nach-unfall-in-darmstadt-v1,radfahrer-in- darmstadt-tod-100.html
- Frankfurt am Main, 2023 (Falschparker zwingt auf Fahrbahn, tödlich): https://www.faz.net/aktuell/rhein-main/frankfurt/radfahrer-in-frankfurt-stirbt-nach-ausweichmanoever-wegen-falschparker-18968055.html

