Von Thomas Maria Claßen und Andreas Domanski
Dass die AGFS tatsächlich Piktogrammketten auf Landstraßen ohne Radweg als „wichtigen Schritt“ für die Sicherheit von Radfahrenden feiert (siehe Seite 10), ist zynisch und grotesk. Strassen.NRW malt ein paar Fahrradsymbole auf den Asphalt und feiert das als Sicherheitsrevolution – und die AGFS als bedeutenden Lückenschluss im landesweiten Radwegenetz. In Wahrheit ist das nichts weiter als eine billige Alibi-Markierung, die nichts am eklatanten Sicherheitsdefizit ändert: Keine bauliche Trennung, kein seriöser Schutz, wieder nur Farbe, die Hoffnungen weckt und trügerische Sicherheit verspricht, aber
keine realen Risiken mindert. Solche Symbole verschleiern die Wahrheit: Schutz entsteht durch klare Infrastruktur, nicht durch kosmetische Farbtupfer. Während Radpendler und -touristen dort fahren, hämmern Autos mit 100 oder mehr km/h über diese Schutzillusionen, überholen Radfahrende viel zu knapp und ignorieren deren Existenz. Wer diese Symbolpolitik als Fortschritt verkauft, leugnet die Bedürfnisse verletzlicher Verkehrsteilnehmender, und spielt fatal mit deren Leben. Durchaus akzeptierbar sind Piktogrammketten innerorts, wo Rad- oder Schutzstreifen nicht realisierbar sind, und(!) Tempo 30 angeordnet ist.
Thomas Maria Claßen
Ein Rückblick auf 40 Jahre ADFC-Arbeit am Niederrhein zeigt ein ambivalentes Bild: Errungenschaften sind sicher die Öffnung von Einbahnstraßen für den Radverkehr, die Fahrrad-Wegweisung, der Ausbau von öffentlichen Abstellanlagen sowie eigene Dienstleistungen wie Fahrradflohmärkte, Radtouren oder neuerdings die Fahrradcodierung.
Bei unseren Forderungen zur Modernisierung der oft nicht mehr zeitgemäßen Fahrrad-Infrastruktur stoßen wir aber sehr oft auf hohe Widerstände. Unsere Verwaltungen beteuern immer wieder, dass das alles eben nicht „so schnell” gehe. Dabei verdrängen sie, dass die meisten Forderungen schon seit Jahrzehnten auf dem Tisch liegen und inzwischen für das Erreichen der Sektorziele in den gefassten Beschlüssen zum Klimaschutz sogar zwingend notwendig und keine „Kür” mehr sind.
Die jüngste Gerichtsentscheidung gegen die geschützten Radstreifen in Mönchengladbach und die jahrelange Untätigkeit der Kempener Verwaltung bei der Aufhebung des untauglichen Rad-/Gehwegs an der Berliner Allee bremsen die Verkehrswende immer wieder aus. Währenddessen starten im europäischen Ausland immer mehr Städte wie Wien, Paris, Helsinki, Bologna oder London mit pragmatischen und zukunftsweisenden Maßnahmen zur Förderung der aktiven Mobilität durch.
Andreas Domanski
