Vorwort

Editorial zum Sommerheft 2011

Der Fahrradtourismus boomt, das haben nicht nur die 22_000 Teilnehmer am 20. Niederrheinischen Radwandertag eindrucksvoll bewiesen. Auch der Erfolg der NRW-Radtour, die sich ab 21. Juli als mehrtausendrädriger fröhlicher Lindwurm durchs Münsterland schlängeln wird, zeigt: Geselliges Radfahren ist ein Trend! Und das nicht nur für rüstige Rentner, sondern auch für junge Männer und und Frauen, die mitten im Berufsleben stehen. Das belegt aufs Schönste die Global Biking Initiative, die aus Aktivitäten von Angestellten der Düsselorfer Mobilfunkmeile in Heerdt hervorgegangen ist. Auf einer gesponsorten einwöchigen Rundfahrt sammeln diese Leute mal eben eine Viertelmillion Spendengelder für wohltätige Zwecke ein – und haben selbst noch jede Menge Spaß dabei.

Die neuen „Genussradfahrer“ legen Wert auf gute Qualität, geben Geld lieber für ein High-Tech-Fahrrad aus als für ein Auto. Sie radeln mit dem größten Vergnügen zur Arbeit, gerne auch dynamisch-zügig mit elektrischem Rückenwind. Man möchte ja frisch und pünktlich beim ersten Meeting im Büro sein. Dafür braucht es Radwege auf der Fahrbahn, nicht auf dem Gehweg. Der neue Erlass des Düsseldorfer Verkehrsministeriums zur ERA 2010 ist ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zu diesem Ziel.

Heribert Adamsky

Auch manche Unternehmer definieren städtische Mobilität neu. Wo oft noch um jeden Autoparkplatz gerungen wird, setzen clevere Arbeitgeber aufs Fahrrad. Die Wohnstätte Krefeld AG hat drei Lastenfahrräder mit werbewirksamer Beschriftung angeschafft (siehe Titelfoto). Der praktische Nutzen beispielsweise für den Aktentransport steht im Vordergrund, aber die Imagewerbung ist natürlich auch nicht unbeabsichtigt. Wo solche Zeichen gesetzt werden und das Fahrrad als intelligentes Verkehrsmittel gefördert wird, dauert es oft nicht lange, bis Mitarbeiter diesem Vorbild folgen.

Das funktioniert nicht nur in Ballungsräumen, sondern auch in kleineren Städten wie Viersen-Boisheim. Dort hat der Inhaber einer Firma für ökologische Baustoffe interessierten Mitarbeitern Elektrofahrräder zur Verfügung gestellt. Die Pedelecs können im Betrieb mit Ökostrom aufgeladen werden. Einzige Bedingung: Die Nutzer dürfen nur an maximal 20 Tagen im Jahr mit dem Auto zur Firma kommen!
Das (eigene) Auto als Statussymbol hat vor allem bei jungen Menschen endgültig ausgedient. Statt dessen sind flexible und an den tatsächlichen Bedarf angepasste Lösungen (Auto-Teilen, Fahrgemeinschaften, bike&ride) weiter im Vormarsch. Diesen Wandel müssen nun auch Politiker und Verkehrsplaner in ihren Entscheidungen berücksichtigen und fördern. Schließlich werden bei der Gestaltung und Aufteilung von Verkehrsflächen die Weichen für viele Jahre gestellt.

Andreas Domanski

Dieser Beitrag wurde unter Ausgabe 2 / 2011, Editorial veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.