Samstag, 11. August: (Køge – Faxe/65 km)
Nach dem Frühstück packte ich die restlichen Sachen und meinen Proviant und füllte meine Wasserflaschen. Nachdem ich die Hotelrechnung bezahlt hatte, habe ich mein Gepäck wieder fachmännisch aufs Rad geschnallt und konnte die 2. Etappe Richtung Faxe starten.
Kurz hinter Køge verlief die Route an der Køge-Bucht entlang. War das ein tolles Bild! Ich genoss die Weite der Landschaft und den Sommergeruch der abgemähten Felder bis Strøby Ladeplads. Danach verlief die Strecke abwechslungsreich an kleinen Bauernhöfen zwischen Kornfeldern, Wiesen und Blumenrabatten vorbei. Kurz hinter Tommestrup erblickte ich den Leuchtturm „Stevns Fyr“, den ich mir natürlich aus der Nähe ansehen musste. Dort kam ich mit einem Dänen ins Gespräch, der mir erklärte, dass diese Stelle ein strategischer Punkt während des „Kalten Krieges“ gewesen ist. Seit 2000 kann man jetzt im „KoldkrigsMuseum“ die ehemalige Bunkeranlage mit ihren unterirdischen Gängen bei Stevns Fort besichtigen. Nach meiner Stippvisite beim Leuchtturm fuhr ich Richtung Højerup, wo ich einen tollen Blick über gemähte Kornfelder zu den Kreidefelsen und den Kalkbrüchen bei Stevs Klint hatte. Der Radweg führte weiter, meistens hatte ich die Ostsee im Blick, nach Rødvig und Vemmetofte und verlief dann durch ein Waldgebiet bis nach Faxe Ladeplads. Von dort aus fuhr ich nach Faxe zur Jugendherberge (ca. 6 km). Leider sind Jugendherbergen in Dänemark für Einzelreisende relativ teuer, denn dort bezahlt man das (Familien)-Zimmer und hat eine Gemeinschaftsküche für die Selbstversorgung oder man zahlt extra für das Frühstück.
Nachdem ich alles geregelt hatte, von hier aus ließ ich noch mein Zimmer für Montag in der Jugendherberge in Nykøbing/Falster buchen, bin ich in mein Familienzimmer eingezogen und habe mich frisch gemacht. Anschließend gönnte ich mir im Café einen Pott Kaffee und aß dazu meine Brote (Abendessen). Dort kam ich mit Inger ins Gespräch, die eigentlich aus Faxe Ladeplads kommt, aber schon seit 6 Wochen in der Jugendherberge wohnte, weil in ihrem Haus ein Wasserschaden war. Wegen der Urlaubszeit fand sie keinen Handwerker, der ihr den Küchenfußboden reparieren konnte. Alle 2 Tage fuhr sie zu ihrem Haus, um nach der Post und ihrem Garten zu sehen. Direkt neben der Jugendherberge gibt es einen großen Kalkbruch (der Faxe Kalkbrud ist das größte von Menschenhand geschaffene Loch in Dänemark) und das Geomuseum, das aber leider schon geschlossen hatte. Inger ist mit mir an den Rand des Kalkbruchs gegangen und hat mir einiges erklärt. Das war sehr interessant. Wer sich in den Kalkbruch hinunter begibt, befindet sich auf dem Grund eines 63 Millionen Jahre alten Meeres. Hier schwammen einmal Haie, riesengroße Krokodile und Tintenfische zwischen wunderschönen Korallen herum. Sie sind es, die, zusammen mit den zahlreichen anderen Meerestieren und pflanzlichen Organismen, den Kalk gebildet haben. Korallen, Haizähne, Krebspanzer und Muschelschalen, gehören zu den vielen Versteinerungen, die im Kalk enthalten sind. Der Kalk wurde durch viele Jahrhunderte hindurch als Baumaterial genutzt und wird auch jetzt noch abgebaut. Nach unserem „Abendspaziergang“ hat sie mir noch den Weg für meine nächste Etappe Richtung Præsto gezeigt. Danach war es wieder Zeit, zu packen und schlafen zu gehen.


