AGFS: Meerbusch darf rein

ne_agfs_logo_agfsJetzt fehlt nur noch das Plazet des Landesverkehrsministers, dann hat Meerbusch noch vor Neuss die Aufnahme in die Arbeitsgemeinsschaft fahrradfreundlicher Städte geschafft.

Dorfstraße: Radfahrer flüchten vor den Autos auf den Gehweg. Sie müssen durch eine fahrradfreundliche Verkehrsführung wieder auf die Fahrbahn geholt werden.

Dorfstraße: Radfahrer flüchten vor den Autos auf den Gehweg. Sie müssen durch eine fahrradfreundliche Verkehrsführung wieder auf die Fahrbahn geholt werden.

Wenn eine Stadt sich um Aufnahme in die AGFS bemüht, dann muss sie nicht bereits fahrradfreundlich sein. Aber sie muss glaubhaft machen, dass sie bereit ist, das Erforderliche zu tun, um fahrradfreundlich zu werden. Das zugehörige Konzept dokumentiert sie in einem etwa 20-seitigen Bewerbungsschreiben an die AGFS. Nach Prüfung der Bewerbung durch eine kleine Expertenkom- mission aus Vertretern der Stadt, der AGFS und des Verkehrsministeriums findet eine Vorbereisung mit dem Fahrrad statt. In aller Regel zeigt sich dann, dass es am Konzept noch einiges nachzubessern gibt, so auch in Meerbusch. Bei der zweiten Bereisung mit einer Tour durch die Stadt, wo auch Vertreter der Presse und des ADFC zugegen sind, geht es um die Wurst: Die Stadt präsentiert ihr überarbeitetes Konzept, dann zieht sich die Auswahlkommission zur Beratung zurück und entscheidet, ob sie dem Verkehrsminister die Aufnahme der Stadt in die AGFS empfiehlt – oder eben nicht. Im Meerbusch gab es am 9. Mai ein positives Votum, und der Minister wird sicher bald offiziell die Aufnahme von Meerbusch in die Arbeitsgemeinschaft verkünden. Zusammen mit der Empfehlung hat Peter London, der Fahrradbeauftragte des Ministers, eine Quote genannt: 14:8. Das war kein Abstimmungsergebnis, wie einige dachten, es war vielmehr die Anzahl positiver und negativer Anmerkungen im Bereisungsprotokoll. Es gibt also noch einiges zu tun, wenn Meerbusch sich in der Arbeitsgemeinschaft zu einer fahrradfreundlichen Stadt entwickeln will.

Planerische Altlasten

Hohegrabenweg / Kanzlei: Anders als auf der Dorfstraße müssen Radfahrer hier auf dem viel zu schmalen Gehweg fahren, und das sogar im Gegenverkehr. Wer soll das verstehen?

Hohegrabenweg / Kanzlei: Anders als auf der Dorfstraße müssen Radfahrer hier auf dem viel zu schmalen Gehweg fahren, und das sogar im Gegenverkehr. Wer soll das verstehen?

Als ADFC freuen wir uns, dass Meerbusch mit seinem Konzept überzeugen konnte, aber natürlich legen wir ein besonderes Augenmerk auf die Punkte, wo es noch im Argen liegt. Das sind in Meerbusch besonders die planerischen Altlasten aus der Zeit, als man noch autozentriert plante und die Autofahrer dazu „verzog“, sich als die Herren der Straßen zu fühlen. Das fiel auch Peter London auf, der anmerkte, dass Autofahrer in Meerbusch recht rücksichtslos fahren und in engem Abstand überholen. Deshalb flüchten sich noch heute auf der Büdericher Dorfstraße viele Radfahrer auf den Gehweg, wo sie natürlich nicht hingehören, weil sie dort die Fußgänger bedrängen. In früheren Jahren hatte die Verwaltung deshalb Platten mit der Aufforderung „bitte schieben“ einbauen lassen. Ein fahrradfreundliches Meerbusch muss sich natürlich Besseres einfallen lassen. Das Thema Dorfstraße ist deshalb mit Vorschlägen von Einbahnstraße bis Shared Space längst in der Diskussion, und nun wird es Zeit, dass etwas passiert. Das gilt auch für die vielen zu schmalen Zweirichtungsradwege in Wohngebieten, die schon lange nicht mehr den gültigen Richtlinien entsprechen.

Neue, bessere Wege

Neubaugebiet Ostara: Hier schafft die Stadt Platz für den Radverkehr und macht ihn sichtbar – richtig so!

Neubaugebiet Ostara: Hier schafft die Stadt Platz für den Radverkehr und macht ihn sichtbar – richtig so!

Dass sie Stadt es besser kann, beweist sie im Neubaugebiet auf dem dem Ostara-Gelände, wo sie den Empfehlungen für  Radverkehrsanlagen (ERA 2010) folgend Abbiegestreifen und Aufstellflächen für Radfahrer anlegt. Hier werden Radfahrer für Autofahrer sichtbar, hier können Meerbuscher Autofahrer sich daran gewöhnen, dass Radfahrer gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer sind. Spannend ist auch der geplante Radweg an der Stadtbahntrasse zwischen Landsknecht und der Düsseldorfer Hansaallee, von dem sowohl Ausflügler als auch Pendler profitieren würden.

 

Das im Jahr 2012 in Kraft gesetzte Klimaschutzkonzept der Stadt Meerbusch definiert Handlungskonzepte und Maßnahmen, wie die Meerbuscher Treibhausgasemissionen gesenkt werden können. Da der Verkehr mit fast 40 Prozent der Emissionen der bedeutendste Faktor ist, mindert jede Maßnahme, die das Radfahren fördert, den CO2-Ausstoß auf Meerbuscher Stadtgebiet erheblich. Es liefert starke Impulse, die Radverkehrsförderung wirklich ernst zu nehmen, denn nur wenn viele Menschen vom Auto aufs Fahrrad umsteigen, lassen sich die CO2-Emissionen nachhaltig senken. Und ganz nebenbei nimmt auch die Lebens- und Aufenthaltsqualität in Meerbuschs Straßen zu. Der Bezug auf den Klimaschutz schafft gute Voraussetzungen für eine erfolgreiche Arbeit in der AGFS. Heribert Adamsky

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